15 Jahre DPG Tostedt

1993 - 2008

Rückblick der Deutsch-Polnischen Gesellschaft

auf die 15 Jahre Ihres Bestehens

01.06.2008

In der Ratssitzung vom 20 .Februar 1992 wurde die Partnerschaft zwischen Tostedt und Lubaczów durch den Gemeinderat einstimmig bei 2 Enthaltungen beschlossen.

Dieser Ratsbeschluss wurde in einer Festveranstaltung am 9. Oktober 1992 in der Aula der Realschule Tostedt im Beisein des Konsuls Zuszek durch Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde besiegelt. Aus Lubaczów kam eine Delegation mit Bürgermeister Wieslaw Bek an der Spitze, um die Unterschrift von polnischer Seite zu geben.

Weitere Unterzeichner waren: Arkadiusz Przybylski Vorsitzender des Rates der Stadt Lubaczów, Rosel Zeuschner-Beyreiß, Stellvertretende Bürgermeisterin von Tostedt und Rainer Maaß von der Gemeindeverwaltung. Tostedts Bürgermeister Klaus-Dieter Feindt war durch einen plötzlichen Aufenthalt im Krankenhaus leider nicht anwesend, was er schwer verwinden konnte, hatte er sich doch für diese Partnerschaft sehr eingesetzt.

Diese Partnerschaft brachte neue Aufgaben und Verpflichtungen für die Gemeinde mit sich und so wurde der Gedanke aufgegriffen, eine Deutsch-Polnische Gesellschaft in Tostedt zu gründen, die sich bürgernah dieser Aufgabe widmen könnte. Am 16. Juni 1993 haben 17 Gründungsmitglieder die Deutsch-Polnische Gesellschaft gegründet. Ruth Zuther wurde 1. Vorsitzende, Erwin Becker ihr Stellvertreter und Jochen Golle übernahm das Amt des Schatzmeisters.

Am 3. September 1993 stellte sich die neue Gesellschaft mit einem Auftritt von RESOVIA SALTANS, dem Tanz- und Gesangsensemble der Pädagogischen Hochschule aus Rzeszów, in der Realschule Tostedt der Öffentlichkeit vor. Bereits 1994 hatte die Gesellschaft mehr als 60 Mitglieder und ~erweiterte den Vorstand um einen 2. Stellvertreter. Peter Weggen übernahm diese Aufgabe.

Am 12. September 1993 reiste eine 30-köpfige Delegation nach Lubaczów. Teilnehmer waren Mitglieder der DPGT, Vertreter der Verwaltung und der verschiedensten Organisationen. Ziel dieser Reise war die Unterzeichnung einer Vereinbarung über die Gestaltung der künftigen Zusammenarbeit zwischen Tostedt und Lubaczów. Diese erste Bürgerreise organisierte bereits di~ DPGT. Die Tostedter waren alle bei polnischen Familien untergebracht, um sich näher kennen zu lernen und einen Einblick in deren Alltagsleben zu gewinnen, was in diesen Jahren noch sehr mühsam war.

Der große Festakt fand im Hause der Kultur statt. Es war eine beeindruckende Feier, die jedem Teilnehmer von damals noch heute in lebendiger Erinnerung ist. Eine Vereinbarung über die friedliche Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Polen in einem Teil Polens, deren Bevölkerung im 2. Weltkrieg sehr viel und Leid und Unrecht erleiden musste, war ein emotionales Ereignis, das jeden Teilnehmer sehr berührte.

Die Bürgermeister beider Städte, Wieslaw Bek und Klaus-Dieter Feindt, hielten die Festreden, der Jugendchor CANZONE sorgte für die Umrahmung. Hans-Joachim Schrader, der Chronist einer Aufzeichnung in dem Buch ,,900 Jahre Tostedt" schreibt darüber: "Es war eine denkwürdige Stunde der Beginn einer wunderbaren Freundschaft". Das kann man heute, nach inzwischen 16 Jahren intensivster Zusammenarbeit, mit ganzem Herzen bejahen. Bei diesem ersten Besuch wurden Arbeitsgruppen gebildet und alle Institutionen aufgesucht, wie Kindergärten, Schulen, Feuerwehr, Polizei, Sport Vereine, das Krankenhaus, ein Heim für behinderte Kinder, um die Arbeit kennen zu lernen.

1994 gründete man in Lubaczów eine "Polnisch-Deutsche-Gesellschaft" unter dem Vorsitz von Malgorzata Klimkiewicz. Beide Gesellschaften arbeiten seitdem sehr intensiv und harmonisch zusammen.

Diese Aufzeichnungen sind der chronologische Bericht über den Beginn der Städtepartnerschaft zwischen Tostedt und Lubaczów. Über die Zusammenarbeit zwischen beiden Partnern ist nach 16 Jahren folgendes festzustellen: Es ist eine kontinuierliche aktive, fruchtbare Zusammenarbeit geworden, ohne Unterbrechungen. An erster Stelle ist der Austausch zwischen den Bürgern zu nennen, da jedes Jahr Besuche aus der einen in die andere Stadt stattfanden. Es haben sich fast 1600 Menschen kennen gelernt, was eine wichtige Voraussetzung für den Abbau von Vorurteilen war und ist. Diese Besucher, in welchem Ort auch immer, waren gleichzeitig vertrauensbildende Multiplikatoren, die zur Verständigung beigetragen haben.

Seit 10 Jahren besteht zwischen dem Gymnasium Tostedt und dem Lyzeum Kosciuszko eine Schulpartnerschaft .Jedes Jahr findet ein Treffen statt mit dem Initiator Herrn Dr. Horst Junker, der sich sogar dem schwierigen Unterfangen unterzog, Polnisch zu lernen, was ihm besonders gut gelang. Es haben mindestens 250 Schüler am Austausch teilgenommen, jede Begegnung aber hatte ein Gegenüber, einen Gastgeber, sodass 500 junge Menschen sich begegneten.

Übrigens besteht außerhalb der Partnerschaft seit 1989 eine zusätzliche Schulpartnerschaft zwischen der Realschule Tostedt und dem Lyzeum Kopernikus in Rzeszów. 2007 wurde die 20.Begegnung gefeiert.

Die nächste Säule ist die Jugendpflege in Tostedt, die in den 15 Jahren über 12 gemeinsame Ferien und damit Jugendbegegnungen erfolgreich durchgeführt hat- hier also haben sich junge Deutsche und Polen, etwa wieder 200-300 Personen kennen gelernt. Neben den Begegnungen zwischen den verschiedensten Gruppen hat die DPG versucht, Unterstützung dem Partner zuteil werden lassen, wo es notwendig erschien.

Es ist bekannt, dass der polnische Staat in seinem sozialistischen System viele Entwicklungen nicht zuließ oder auch vernachlässigte und so ein gewisser Stillstand, besonders in den kleinen Orten und besonders in Ostpolen im Grenzgebiet stattfand. Die Aufmerksamkeit des Staates galt in erster Linie dem Aufbau der großen Städte.

So war in dem 100-jährigen Krankenhaus vieles veraltet und es bedurfte der Ergänzung. Unsere Aufmerksamkeit galt also in erster Linie dieser Einrichtung. Die DPG hat dem Krankenhaus im Jahre 1995 10.000 DM für notwendige Anschaffungen übergeben und in den nächsten Jahren medizinische Geräte, Bettwäsche, 250 Stück Operationskleidung, Babykleidung, Medikamente, Notarztkoffer , nur um einiges zu nennen, zur Verfügung gestellt.

Karitative Hilfe hat die DPG für das Haus der Hilfe, dem Behindertenheim, dem Männerheim für Psychisch Kranke, der Schule für Schwererziehbare, dem Waisenhaus unter der Führung der Albertiner Schwestern, den Sportvereinen, der Karateabteilung, der Caritas, der Feuerwehr, dem Haus der Kultur, der Polnisch-Deutschen Gesellschaft zuteil werden lassen. Die Musikschule hat viele Instrumente im Wert von 6.300,- Euro erhalten, ein Klavier wurde ebenfalls gespendet.

Wir haben auch Privatleuten Zuwendungen gegeben: 4 Familien, deren Ernte durch Hagel zerstört wurde, konnte mit 2.000 Euro der Einkauf von Saatgut etc ermöglicht werden. Der Mutter, die Vierlinge geboren hatte, schenkten wir 420,-Euro und 2 Zwillingskinderwagen, dem kleinen Jungen, der sich beim Brand schwere Verletzungen zugezogen hat, 500,-Euro für seine weitere Behandlung. Für die Überführung des VW-Kleinbusses bezahlten wir die Transportkosten.

Dem Lyzeum haben wir 1000 Euro für besondere Anschaffungen, einen DVD-Player, einen Beamer und Wörterbücher geschenkt, um nur einiges zu nennen. Auch Kindergärten haben Bekleidung und Spielzeug erhalten. Einer Schule konnten wir mit Schulmöbeln eine Freude machen.

Das Klärwerk in Lubaczów ist durch die Unterstützung der Gemeinde Tostedt und der DPG mit 250.000,- DM von der Deutsch-Polnischen Stiftung bezuschusst worden.

Am 30. Mai 2006 hat die Gemeinde Tostedt mit dem Landkreis Lubaczów einen zusätzlichen Partnerschaftsvertrag unterzeichnet. Dieser Vertrag wurde am 1. September 2006 in einer feierlichen Sitzung des Kreistages Lubaczów bestätigt. Eine vertraglich bestehende Partnerschaft berechtigt bei entsprechenden Projekten Zuschüsse aus Brüssel. Die DPG Tostedt hat den Antrag des Landkreises Lubaczów auf eine vertragliche Bindung sehr unterstützt, zumal die DPG bereits seit Jahren kreiseigene Einrichtungen wie das Krankenhaus, Schulen, dem Haus für Psychisch Kranke und das Museumsprojekt "Przygrodek" fördert.

An dem Projekt Przygrodek haben wir uns mit 5.000 € beteiligt.

Wenn wir die finanziellen und humanitären Hilfen addieren, dann kann man diese auf mindestens 70.000 € beziffern, zusätzlich Transportkosten und Förderung der Jugendarbeit, die auch einen beträchtlichen Kostenfaktor darstellen. Diese Hilfen wären aus den Mitgliederbeiträgen nicht möglich gewesen, sondern sind durch die Hilfe von Sponsoren, Menschen, die freundschaftliche Beziehungen zu Polen geknüpft hatten, durchführbar gewesen. Der Wille, unsere polnischen Partner zu unterstützen, ist ein Zeichen der Freundschaft, die sich in den 16 Jahren der Zusammenarbeit entwickelt hat.

Kommunale Partnerschaften zwischen deutschen und polnischen Gemeinden und Städten sind das stabilisierende Element der deutsch-polnischen Zusammenarbeit. Die Städtepartnerpartnerschaften haben zur Versöhnung zwischen den Menschen beigetragen, zum Abbau von Vorurteilen. Sie waren und sind die Voraussetzung zur Verständigung beider Völker.

Möge die Freundschaft zwischen Lubaczów und Tostedt niemals gestört werden, sondern weiter fruchtbar gedeihen zum Wohle unserer Jugend.

Ruth Zuther

1. Vorsitzende

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