20 Jahre Städtepartnerschaft

Fahrt nach Lubaczów zur Feier der 20-jährigen Jubiläums

Am 20. Juni 2012 begannen wir eine Reise nach Lubaczów. Der Grund dafür war eine Einladung der Polnisch-Deutschen Gesellschaft unserer Partnerstadt, denn die freundschaftliche Verbindung unserer Städte bestand nun 20 Jahre. Die Besiegelung dieser Verbundenheit durch einen offiziellen Vertrag geschah später, was auch noch Anlass einer Feierlichkeit sein wird.
Um 7.oo Uhr bestiegen wir den Bus in Tostedt und eine kleine illustre Gesellschaft mit einigen „Neuen" ging auf die knapp 1200 km nach Lubaczów. Auf der Fahrt und in den „P"-Pausen lernten wir uns kennen, um am Spätnachmittag in Breslau den Wunsch zu haben, gemeinsam den Rynek zu umrunden.
 

 

Mittwoch, 20. Juni 2012 - Tostedt-Breslau

Früh am Morgen starteten wir als Gruppe mit 20 Teilnehmern aus Mitgliedern der Deutsch-Polnischen Gesellschaft und des Tostedter Gemeinderates unter Leitung unserer Vorsitzenden Ruth Zuther mit Becker-Bus und Fahrer Roberto in Richtung unserer Partnerstadt Lubaczów.

Einige von uns machen eine solche Besuchsreise bereits seit 20 Jahren mit. Sie erzählten uns, wie beschwerlich es früher war, und sie machten uns auf denkwürdige Stätten entlang der Straße aufmerksam.

Ruth stimmte uns mit polnischen Liedern, u.a. „STO LAT" (Hundert Jahre mögest Du werden), aufeinander ein und wir waren schnell eine lustige Gemeinschaft.

Durch alte und neue Bundesländer und mitten durch unsere Hauptstadt Berlin hindurch, über die jetzt offene Grenze hinweg, erreichten wir am späten Nachmittag - vorbei am Fußballstadion -  unsere Zwischenstation, die Stadt Wrocław (= Breslau).
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Nachdem wir unsere Zimmer im gut ausgesuchten Hotel Marshal in der Nähe des repräsentativen Hauptbahnhofs bezogen hatten, gingen wir zu Fuß über die Oder in die Altstadt.

Anlässlich der Fußball-Europameisterschaft, die zur Zeit unserer Reise in Polen und in der Ukraine stattfindet, ist auf dem zentralen Marktplatz, dem Rynek, ein großer Bereich für Public Viewing abgetrennt.
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An diesem Abend fand kein EM-Spiel statt. Es traten hier jedoch Live-Bands auf. Da der Blick auf die wunderschönen Gebäude sehr eingeschränkt war und es hier sehr lebhaft zuging, flüchteten wir in die Nebenstraßen, erkundeten weitere Sehenswürdigkeiten und genossen die ausgezeichnete polnische Küche.
Autoren: Karl und Erika Dittmer


Donnerstag, 21. Juni 2012 - Breslau-Lubaczów

Nach heißer Nacht (32°C mit Blitz und Donner) und am Puls des (Verkehrs-)Lebens (Hotel gegenüber dem Hauptbahnhof Breslau) setzen wir morgens um 8:00 Uhr bei angenehmen 17°C die Fahrt fort. Die überwiegend agrarwirtschaftlich genutzte Landschaft ist zunächst flach und diesig, später aber auch sanft hügelig und sonnig.
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Es klärt sich immer mehr auf und die Temperaturen steigen bis auf 30°C. Wir durchfahren das Oberschlesische Industriegebiet (traditionell Bergbau und Schwerindustrie) auf einer neuen Autobahn (fertig bis hinter Krakau).
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Viele Mitfahrer aus den ersten Jahren (1993 - 1995) erinnern sich an die Mühsal dieser Reisen. Wie oft hat man sich in diesen Städten - ohne Autobahn und mit katastrophalen Straßenverhältnissen - verfahren. Erwin Becker erklärt markante Punkte auf der Reise. Er nennt z.B. das große Opelwerk in Oppeln mit ca. 20.000 Mitarbeitern und erinnert an den vorgetäuschten Überfall auf den Sender Gleiwitz (Beginn der 2. Weltkrieges im Jahre 1939) und hält auch eine „Lesung": Polnische Geschichte in Kurzform.

Um 17.30 Uhr erreichen wir Lubaczów. Es ist inzwischen unerträglich heiß geworden (angeblich 35°C). Unsere polnischen Gastgeber bereiten uns - wie immer - einen sehr herzlichen Empfang im Rathaus. Jeder erhält eine Leinentasche mit „Lubaczów-ensien" und geht mit seinen Gastgebern erschöpft von der langen Busreise und vielleicht auch neugierig auf alles Kommende nach Hause.

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v.l.n.r.: Ruth Zuther, Vorsitzender der DPG Tostedt / Adam Margraf, stellv. Bürgermeister der Stadt Lunaczów / Gerhard Netzel, Bürgermeister der Gemeinde Tostedt

Autoren: Dr. Horst Junker / Peter Weggen


Freitag, 22.6.2012 - Radruż, Podlesie, Sikorówka

Nach einem reichhaltigen Frühstück bei den Gastgebern trafen wir uns am Bus, diesmal vor der Grundschule I, denn der Platz vor dem Kulturzentrum wird z. Zt. mit Hilfe von EU-Mitteln aufwendig umgestaltet. Wir sind gespannt, wie er bei unserem nächsten Besuch aussehen wird!

Mit dem Bus ging es zunächst über normale Straßen und dann über Rumpelwege nach Radruż. Dort besichtigten wir die älteste Holzkirche Galiziens, die noch Originalteile aus dem 15. Jahrhundert aufweist. Das eindrucksvolle Bauwerk mit der imposanten Kuppel ist vollständig aus Holz gefertigt, auch kein Eisennagel wurde verwandt. Die terrassenförmigen Dächer sind vor kurzem neu mit Holzschindeln eingedeckt worden.
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Herr Mazur vom Lubaczówer Museum gab uns interessante Erläuterungen:
Unter den Arkaden hielten sich samstags die Leute auf, die schon am Vortage zum sonntäglichen Gottesdienst anreisten, und schliefen auch dort. Im Innern gab es einen Raum für die Frauen und die Ungetauften, einen Raum für die Männer und das „Allerheiligste" für die Priester. An den Wänden erkannte man uralte Wandmalereien, die demnächst restauriert werden sollen, und im Hauptraum unter der Kuppel hingen moderne ikonenartige Gemälde einer Künstlerin aus der Gegend.

Ein gewaltiges Gewitter mit sintflutartigem Dauerregen trieb einige von uns schnell in den Bus, andere flüchteten sich in die Kirche und lauschten den Ausführungen Herrn Mazurs über die Siedlungsgeschichte Galiziens.
Sehr viele Völkerschaften haben hier gelebt:
Schon im Mittelalter gab es deutsche Siedler, deren Spuren aber verweht sind, und auch von den tatarischen Kriegsgefangenen des 17. Jahrhunderts zeugen nur noch Familiennamen in einzelnen Dörfern. Die Hauptbevölkerung stellten Polen und Ukrainer.

Die Holzkirche in Radruż diente der ukrainischen Volksgruppe. Sie war zuerst griechisch-orthodox, dann griechisch-katholisch. Heute wird in der Kirche nur noch 2-3mal im Jahr ein Gottesdienst gefeiert, zu dem die ehemaligen ukrainischen Bewohner der Region oft von weither anreisen.

Unter österreichischer Herrschaft zur Zeit Maria Theresias und besonders ihres Sohnes Joseph im frühen 19. Jahrhundert wurden wieder deutschsprachige Siedler nach Galizien gerufen. Sie kamen aus Österreich, dem Rheinland und Ostfriesland. Land erhielten sie von den kaiserlichen Gütern, dazu eine Grundausstattung für die Landwirtschaft, und von Steuern wurden sie zunächst freigestellt. Es entstanden katholische und evangelische Dörfer. Die katholischen Siedler vermischten sich bald mit der polnischen Bevölkerung, die evangelischen blieben meist unter sich. Noch 1940 gab es Dörfer mit fast ausschließlich deutsch sprechenden evangelischen Einwohnern.

So lebten in Galizien „Polen", „Ukrainer", „Deutsche" und in den Städten auch viele Juden recht friedlich beisammen. Ab 1870 wanderten viele Galizier über Hamburg nach Amerika aus, deren Nachkommen oft noch Kontakt zur alten Heimat halten.

1940 wurden als Folge des „Hitler-Stalin-Pakts" die „Volksdeutschen" ausgesiedelt. Sie bekamen in Westpolen neue Höfe, die man polnischen Bauern weggenommen hatte, und wurden 1946 erneut vertrieben.
Die meisten Juden wurden von den Nazis ermordet, die überlebenden verließen fast alle das Land.

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges gab es noch bis 1947 blutige Auseinandersetzungen zwischen Polen und Ukrainern wegen der Grenzziehung. Schließlich wurde fast der gesamte ukrainische Bevölkerungsteil aus Polen in die Ukraine umgesiedelt, und von dort schickte man viele Polen in die ehemaligen deutschen Ostgebiete.
So gibt es heute in Galizien fast nur noch Polen.

Das Museum in Lubaczów bemüht sich in bewundernswerter Weise, historische Zeugnisse aller Bevölkerungsgruppen zu restaurieren und zu erhalten, um die Erinnerung an die Menschen, die in Galizien gelebt haben, zu bewahren.

Das erfuhren wir eindrucksvoll bei unserem sich anschließenden Besuch der ehemals evangelischen Kirche in Podlesie und des Pastorenhauses, das mit Hilfe von EU-Mitteln sehr aufwendig zu einen Begegnungszentrum hergerichtet wurde. Der evangelische Friedhof soll demnächst restauriert werden.
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Nach all den Besichtigungen fuhren wir dann mit dem Bus in den Wald nach Sikorówka bei Nowa Grobla. Dort waren in den Pavillons an den Forstbaumschulen die Tische schon festlich gedeckt, und auf dem großen Grill schmorte das Fleisch. Mit köstlicher Suppe (Zurek) wurden wir zuerst verwöhnt, und danach gab es saftiges Grillfleisch, würzige Würstchen, herrliche Salate, leckeren Kuchen, aromatische Tomaten, knackige Gurken, Wasser, Cola und natürlich Wodka. Eine Kapelle spielte schwungvoll, es wurde bis in den Abend getanzt, gesungen, geklönt und viel gelacht. Zwischendurch kamen köstliches Bigosch auf den Tisch und noch später ein kräftiger Eintopf, der in Eisentöpfen im Erdreich gegart worden war.
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Zum Schluss sangen wir in trauter Runde inbrünstig und lautstark zur Gitarre, und dann brachte uns der Bus nach Lubaczów, wo wir größtenteils bei unseren Gastfamilien das Fußballspiel Deutschland gegen Griechenland (EM-Viertelfinale) im Fernsehen anschauten. Deutschland gewann 4:2.
Autorin: Christa Biermann


Samstag, 23.6.2012 - Lubaczów: Festveranstaltung, Konzert

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Anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Partnerschaft zwischen Lubaczów und Tostedt fand am 23. Juni 2012 im Kulturhaus der Stadt Lubaczów ein kleiner Festakt statt. Anwesend waren der Landrat des Kreises Lubaczów, Vertreter der Stadt Lubaczów und Vertreter der Polnisch-Deutschen Gesellschaft.

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v.l.n.r.: Landrat Michalik (Lub.), eh. Bürgermeister Zając (Lub.), Bürgermeister Netzel (To.), Bürgermeisterin Magoń (Lub.), eh. Bürgermeister Beck (Lub.), eh. Bürgermeister Feindt (To.)

In mehreren Ansprachen wurden besonders die guten freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Gemeinden hervorgehoben. In der Anfangsphase der Partnerschaft hat Lubaczów viel von den Tostedtern lernen können, sei es der Aufbau einer Kommunalverwaltung oder Förderanträge bei der EU zu stellen. So hat Lubaczów mit EU-Mitteln ein modernes Klärwerk bauen können. Auch die unzähligen sehr persönlichen Geschichten blieben nicht unerwähnt. Erinnert wurde u.a. an das Ausarbeiten des Vertrages in der Küche von Ruth Zuther.

Im Rahmen dieser Veranstaltung übergab Ruth Zuther im Namen der Deutsch-Polnischen Gesellschaft eine Geldspende in Höhe von je 750 € für die beiden Grundschulen in Lubaczów. Die Geldmittel sollen Kindern aus Familien mit geringem Einkommen die Teilnahme am Mittagstisch ermöglichen.

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v.l.n.r.: Adam Margraf (stellv. Bürgermeister Lub.), Ruth Zuther (Vors. DPG Tostedt), Małgorzata Klimkiewicz (eh. Vors. PDG Lub.), Witold Agarzinski

Am Abend hatte uns die Polnisch-Deutsche Gesellschaft zu einem Konzert der Gruppe „Happysad" im Rahmen der Lubaczówer Tage auf dem Sportplatz eingeladen. In einem abgeteilten Bereich saßen wir mit unseren Gastfamilien bei guten polnischen Speisen und Getränken beieinander und hörten der Musik zu, die mir persönlich gut gefiel.

Ein schöner Ausklang eines Tages, der offiziell begann und locker endete.
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Autor: Manfred Koslowski


Sonntag, 24. Juni 2012- vormittags in Lubaczów: Hlg. Messe

Der Sonntag begann - wie in Polen üblich - mit einem Kirchgang in die Con-Kathedrale von Lubaczów. Während im neuen Teil der Kirche eine heilige Messe zelebriert wurde, fand im frisch renovierten Sanktuarium, dem älteren Teil der Kirche, ein ökumenischer Gottesdienst mit polnischen Gastgebern und deutschen Gästen statt, den der Lubaczower katholische Pfarrer Andrzej Stopyra und der Tostedter evangelische Pastor i. R., Reinhard Tolsdorf, zweisprachig leiteten.
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Pastor Tolsdorf hatte für seine Predigt den Text Lukas 1, 39 -45 gewählt, in dem der Besuch Mariens bei ihrer Kusine Elisabeth beschrieben wird. Hieraus leitete er sein Thema „Begegnung" ab und verglich die Begegnung der beiden Frauen mit unserem Zusammenkommen, bei dem sich Menschen unterschiedlicher Nationen und Religionen freundschaftlich treffen. Auch zwischen den Völkern und Religionen ist das Verständnis, das Vertrauen und die Herzlichkeit für den anderen genau so wichtig wie zwischen Maria und Elisabeth.
Daneben sind aber auch die alltäglichen Begegnungen zwischen den Menschen für beide Seiten wichtig und meistens erfolgreich.

Pfarrer Stopyra predigte ebenfalls über „Begegnung", wobei er sich auf die Begegnung zwischen Jesus Christus und Johannes dem Täufer, bei der Taufe Christi im Jordan, bezog. Und auch er wies auf die Bedeutung der Begegnungen von katholischen und evangelischen Christen beim gemeinsamen Gebet zu dem einen gemeinsamen Gott hin. Im Schlussgebet betete er, dass dieses Treffen im Lubaczower Gotteshaus beide Religionen noch mehr zueinander und zu Gott nähern möge.
Der Gottesdienst klang aus mit dem gemeinsamen Lied „Laudate omnes gentes" (Lobet alle Völker).
Autor: Burkhard Wessling


Sonntag, 24. Juni 2012 - abends: Abschiedsabend in Roda Różaniecka

Gemeinsam mit den polnischen Gastgebern fuhren wir mit dem Bus zum Abschiedsessen nach Ruda Różaniecka. Dort ging es über einen hölzernen Steg auf eine romantische Insel mit Restaurant und Festzelt.
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Nach und nach trafen auch die Teilnehmer aus den slowakischen und ungarischen Partnerstädten ein. Locker und ungezwungen erlebten wir die Offiziellen. Auch der Pfarrer vom ökumenischen Gottesdienst war unter uns.

Es gab so manches Wiedersehen zwischen langjährigen Freunden. So freute sich der ehemalige Lehrer des Gymnasiums Tostedt, Dr. Horst Junker, über die Begegnung mit einer ehemaligen Austauschschülerin des Gymasiums Lubaczów.
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Schön, dass auch Malgorzata Klimkiewicz, die - gemeinsam mit Ruth Zuther -  unsere partnerschaftliche Beziehung zwischen Lubaczów und Tostedt ins Leben gerufen hat, trotz gesundheitlicher Probleme vergnügt dabei sein konnte.

Essen und Trinken gab es - wie immer - sehr reichlich und gut. Es wurde ausgelassen gesungen, geschunkelt und getanzt. Einige Teilnehmer der Gruppen, die wir schon am Nachmittag auf der Bühne erlebt hatten, legten eine flotte Sohle aufs Parkett. Auch unser Bürgermeister, Gerhard Netzel, nahm das Mikrofon in die Hand und ließ uns alle tüchtig mitsingen.
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Im letzten Bus - nach Mitternacht - ging es fröhlich mit Gesang zurück nach Lubaczów.

Der polnische Organisator des Treffens, Adam Margraf, begleitete die letzten Besucher auf dem Heimweg.
Autoren: Karl und Erika Dittmer


Montag, den 25. Juni 2012 - nachmittags: Wieliczka

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Nachdem wir uns am Morgen in Lubaczów von unseren Gastgebern herzlich verabschiedet hatten, kamen wir etwas verspätet in Wieliczka an.

Wieliczka (deutsch Groß Salze) ist eine Kleinstadt mit ca. 50.000 Einwohnern ca. 15 km südöstlich von Kraków (Krakau).
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Unserer Bus wurde sicher auf einem großen Parkplatz in der Nähe der Bergwerkes geparkt. Von dort marschierten wir in 5 Minuten zum Eingang des Bergwerkes. Nach einer kurzen Wartezeit erschien unsere Fremdenführerin und klärte uns kurz über das Bergwerk und unser Verhalten darin auf.

Zuerst ging es erst mal abwärts, und zwar zu Fuß. Erstmal über eine Holztreppe auf minus 68 Meter, später sollten wir noch weiter hinunterkommen auf eine Tiefe von 130 Metern.

Unten angekommen folgten wir unserer Führerin durch ein Labyrinth von Gängen und Höhlen. Einige im Ausmaß einer Kathedrale. Immer wieder wurde unser Weg durch Schleusen unterbrochen. Die Schleusen dienen der Regulierung des Luftstromes. Da auf den großen Türen ein erheblicher Luftdruck lasten kann, mussten die starken Männer das Öffnen und Schließen der Türen vornehmen.

Es stellte sich aber heraus, dass es dann doch nicht so schlimm war.

In Nischen und Höhlen rechts und links des Weges wahren Szenen nachgestellt, wie man in vorindustrieller Zeit Salz abgebaut, bearbeitet und abtransportiert hat. Ebenfalls sind Personen der polnischen Geschichte und Heilige aufgestellt. Sogar ein überlebensgroßer Goethe befindet sich dort. Alle Skulpturen wurden aus Salz hergestellt. Sogar die Fußbodenkacheln und der Kronleuchter in der Großen Halle sind aus Salz gefertigt.
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Nach ca. 2 ½ Stunden ging unser Rundgang dann zu Ende. Vor der Auffahrt in einem winzigen Fahrkorb konnten noch Reiseandenken gekauft werden. Oben wieder angekommen erwartete uns erst mal Regen. Der hörte aber schnell auf und wir konnten zurück zu unserem Bus und nach Kraków in der Woiwodschaft Kleinpolen weiterfahren.

Kurz zur Geschichte des Salzbergwerkes Wieliczka:

Schon seit etwa 5.500 Jahren wird in der Gegend Salz gewonnen. Erst durch Salzsiederei, bis im 13.Jahrhundert sich die Quellen langsam erschöpften und das Salz bergmännisch abgebaut wurde.

Der erste Schacht wurde 1280 errichtet. Die ersten Flöze reichten nur bis in eine Tiefe von 60 Metern. Heute reichen sie bis in eine Tiefe von 340 Metern und haben eine Gesamtlänge von mehr als 300 km, von denen aber nur ein geringer Teil der Öffentlichkeit zugänglich ist. Nach und nach wurden Maschinen und Pferde beim Abbau und Transport des Salzes unter Tage eingesetzt.

Das Geschäft mit dem Salz war so lukrativ, das sich der polnische König Kasimir der Große davon eine stattliche Burg/Schloss, den „Wawel" in Kraków, bauen konnte.

Nach einem Wassereinbruch und einem Tagebruch, ausgerechnet in der Nähe des Bahnhofs, wurde das Bergwerk 1993 geschlossen und dient heute ausschließlich dem Tourismus und als Sanatorium. Diesen Teil konnten wir leider nicht besichtigen. Schon 1978 wurde Wieliczka in die UNESCO-Liste des Weltkultur- und Naturerbes aufgenommen

Wer noch mehr über das Bergwerk wissen will, findet in Wikipedia einen ausführlichen Artikel oder fährt am besten selbst hin. Lohnen tut es sich auf jeden Fall.
Autor: Siegfried Raabe


Montag, den 25. Juni 2012 - abends: Krakau

Abgekämpft von dem Besuch des Salzbergwerkes in Wieliczka, kamen wir gegen 17.00 Uhr in Krakau im Hotel Rezydencja Krasickiego 24 an. Unser Päckchen für eine Nacht war schnell ins Zimmer gebracht. Nach der Orientierung auf dem Stadtplan, den uns die Rezeption freundlicherweise zur Verfügung stellte, konnten wir den Weg zum Marktplatz, dem „Rynek", einschlagen. Durch einen kleinen Park führte uns der Weg über die Weichsel weiter in Richtung „Wawel". Rechts von uns, hinter ein paar Häuserreihen, mussten wir das jüdische Viertel „Kazimierz" mit den Synagogen und Friedhöfen unbesucht passieren, denn die Zeit drängte. In einer Gruppe von 6 bis 10 Personen (die Anzahl änderte sich ständig, mal verloren wir an Substanz und dann sammelten wir wieder einige ein) fanden wir auch den Wawel, entdeckten die Kirche St. Peter und Paul und übersahen dank der prächtigen Fassade fast die Kirche St. Andreas. Immer weiter entlang der Straße „Grodzka" konnten wir auf dem Markt schon ein mächtiges Gebäude erkennen, die Tuchhallen, wie sich hinterher herausstellte. Rund um den Rynek haben sich die Restaurants, die die Unmengen an Touristen zu versorgen haben, etabliert und ihre Tische, Sonnenschirme und Abgrenzungen zum Nachbarn nach draußen gestellt. Es bereitete uns einige Schwierigkeiten, unsere Verabredung mit unserer Vorsitzenden Frau Ruth Zuther, die mit dem Taxi gefahren war, einzuhalten. Wieder einmal (es ist meistens so) fingen wir auf der falschen Seite mit der Suche an, aber wir fanden sie. Nachdem noch weitere Personen zu uns gestoßen waren, die sich die Tuchhallen angesehen hatten, fanden wir uns in einer großen Runde unweit der Marienkirche zusammen, um die Erzeugnisse der polnischen Küche und Braumeister zu genießen.
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Dabei erlebten wir, dass zu jeder vollen Stunde vom höheren Turm der Marien-Kirche der Krakauer Turmbläser ein Alarmsignal - das Hejnal -bläst.
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Von diesem Turm musste früher ein Wächter beobachten, ob Feinde vor den Stadtmauern standen oder irgendein Feuer ausgebrochen war. Die Melodie bricht auch heutzutage plötzlich abrupt ab, was an einem früheren Tartaren-Angriff liegt. Damals schlug der Wächter Alarm, aber er kam nicht weit mit der Melodie, denn die Tartaren hatten ihm einen Pfeil mitten durch die Kehle geschossen. So kann man Geschichte lebendig halten. Wenn heute nicht mehr geblasen würde, wüsste (fast) keiner, was früher passiert ist. Für den langen Weg zurück zum Hotel ließen wir die Taxifahrer etwas Geld verdienen,
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denn unsere Füße trugen uns nicht mehr. In einer kleinen Runde klang der Tag mit einem Wodka aus, der den Weg aus und nach Polen schon mehrfach gemacht hat, also weitgereist war und liebevoll von uns „Linie" Wodka genannt wurde.
Autor: Peter Horns

Dienstag, 26. Juni 2012 - Krakau-Tostedt

Es waren ca. 900 km die vor uns lagen und die Helden waren müde. Um 8.00 Uhr wurden noch im Hinterhof des Hotels die letzten Aufwachzigaretten geraucht, bevor zur Abfahrt gedrängt wurde. Kurze Zeit später, auf der Autobahn hing ein Jeder seinen Gedanken nach und es wurde ruhiger. Das Erlebte ließ man noch einmal Revue passieren, erinnerte sich noch einmal an die vielen Namen, die für uns doch oftmals schwer zu merken und zu sprechen waren. Die Verpflegungspakete (die Familien zu Hause hätten Tage davon leben können) wurden von Zeit zu Zeit in Augenschein genommen und wieder dachte man an alte oder neu gewonnenen Freundschaften in Lubaczów. Gegen 21.00 Uhr erreichten wir Tostedt, wo die Abholer schon warteten.
Autor: Peter Horns

 

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